Für so lange war das mein Grundgefühl – und ich wusste es nicht mal.
Ich hatte das Gefühl, beweisen zu müssen, dass ich leben darf.
Es wiedergutmachen zu müssen.
Eine Belastung zu sein.
Eine unsichtbare Schuld zu tragen, die beglichen werden musste.
Erst kämpfte und rebellierte ich gegen dieses Gefühl, nie genug zu sein.
Aber dann ergab ich mich, passte mich an, schrumpfte, versuchte, keine Bedürfnisse, Grenzen oder eigenen Wünsche mehr zu haben.
Ich funktionierte für andere.
Die Prägung der „gefügigen Frau“ sitzt so viel tiefer, als viele glauben.
Sie beginnt damit, selbstlos sein zu wollen und bedingungslos lieben zu müssen.
Schön klingende Worte –
aber es sind Ansprüche, die vor allem eines fordern:
dass du verschwindest.
Ich bin lange verschwunden.
Habe mich selbst immer wieder verloren.
Und ich habe mich wiedergefunden.
Jahrzehnte hat es gedauert.
Viele Jahre Heilungsarbeit, innere Prozesse, Umwege –
und immer wieder dieses Gefühl: nie genug.
Und jetzt?
Jetzt ist Ruhe eingekehrt.
Ich habe genug von „nie genug“.
Es ist still geworden in mir.
Ich bleibe bei mir, auch wenn es draußen mal stürmt.
Ich wähle und entscheide aus einer inneren Selbstverständlichkeit heraus, dass es genug ist.
Ich muss nicht mehr irgendwohin oder irgendwas beweisen.
Es ist wirklich verrückt, wie ruhig es in einem werden kann, wenn der „Nie-genug“-Motor plötzlich verstummt.
Wie viel einfacher und leichter das Leben wird, ohne dass plötzlich alles schön oder geklärt ist.
Das muss es auch nicht.
Das Leben ist ein Prozess.
Und es geht darum, sich selbst nicht immer wieder zu verlassen, weil wir glauben, noch nicht genug zu sein.
Es geht darum, einverstanden zu sein mit dir.
Jetzt.
Mit allem, was in dir ist.
Dich selbst anzunehmen mitten in dem Prozess des Lebens.
Wenn wir aufhören zu glauben, es sei nie genug, wird es still.
Und aus dieser Ruhe heraus treffen wir ganz andere Entscheidungen.
Und die sind es doch, die unser Leben bestimmen:
diese kleinen, täglichen Entscheidungen.
Und weißt du, wer mein größter Lehrer war?
Mein Körper.
Mein Körper hat all die Jahre immer mit mir gesprochen.
Mein Bauchgefühl hatte mich längst gewarnt vor einem Mann, der nur Chaos bedeuten würde.
Vor einer Entscheidung, die meine Würde verletzte.
Vor einem arbeitsamen Aktionismus, nur um Schuldgefühle zu betäuben.
Aber ich musste lernen, darauf zu hören.
Ich hatte ja gelernt, genau das eben nicht zu tun.
Ich hatte von klein auf gelernt, dass meine Intuition und Wahrnehmung gefährlich oder fehl am Platz wären.
Doch sie waren die ganze Zeit bei mir.
Mein Körper hat mir gezeigt, wie es geht:
die unantastbare Würde zu bewahren,
Grenzen zu setzen,
Bedürfnisse zu fühlen, ernst zu nehmen und zu erfüllen,
Wünsche zu erlauben und zu erfüllen.
Mein Körper hat mich geführt – Schritt für Schritt –
aus dem konditionierten Überlebensmodus
in einen natürlichen Lebensmodus.
Und jetzt bin ich hier.
Plötzlich kann ich mir Stabilität, Sicherheit und Freiheit erlauben.
Plötzlich muss ich nicht mehr kämpfen oder irgendetwas beweisen.
Plötzlich kann ich mir erlauben, dass mein Leben trägt.
Dass ich genug bin.
Dass es reicht.
Dass ich versorgt bin.
Dass ich sicher, gehalten und frei bin.
Jetzt.
Nicht irgendwann.
Dass ich nicht mehr irgendwohin muss.
Dass ich schon da bin.
Schon immer war.
Mir ist nur immer eingeredet worden, dass es nicht genug wäre.
Und mein Körper hat mich zurückgeführt.
Zurück zu mir.

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