
Es gibt eine Frage, die mich nicht loslässt.
Seit ich denken kann, stellt sich mir diese Frage.
Wir leben in Zeiten, die für so viele Menschen schwierig, herausfordernd und unsicher sind.
Gerade viele Frauen finden sich in einem Leben wieder, in dem sie theoretisch gleichberechtigt sind.
So lange haben wir dafür gekämpft.
Doch die Realität sieht für viele dann so aus:
Sie tragen alles allein.
Wir tragen alles allein.
Die Existenzlast.
Die Care-Arbeit.
Die Heilungsarbeit.
Und mir fällt immer wieder auf:
Das Kernproblem ist immer noch da.
Wofür haben denn die Frauen vor uns und all jene, die sich für ein besseres Leben eingesetzt haben, gekämpft?
Für Gleichberechtigung?
Ich glaube, es ging die ganze Zeit um etwas anderes.
Es ging um das Recht, sie selbst sein zu dürfen und ein tragfähiges Leben leben zu können.
Denn das Kernproblem, warum so viele Frauen erschöpft und ausgelaugt sind, ist nicht, dass sie zu viel leisten müssten.
Es ist nicht mal das Alleinsein, was für viele gerade zu einer heilsamen Schutzzone geworden ist.
Es ist, dass sie immer wieder sich selbst verlieren müssen.
Frauen sind wie Wildpferde.
Einst wilde, unzähmbare Geschöpfe, frei, verbunden mit der Natur und voller Stolz und Schönheit.
Doch dann wurden sie domestiziert.
Gezähmt.
Gefügig gemacht.
Über Jahrhunderte, Jahrtausende darauf trainiert, zur Verfügung zu stehen, zu dienen, niemals zu klagen, schön auszusehen, aber still zu sein, sich um Haus und Hof zu kümmern, alles für alle anderen zu sein.
Und vor allem:
Niemals sie selbst zu sein.
Und das sitzt so tief.
Jahrhundertelange Kämpfe der Befreiung haben zwar theoretisch andere Bedingungen geschaffen.
Frauen bekommen Bildung, Zugang zu Berufen, eigenes Geld, annähernd gleiche Rechte.
Aber sie verlieren immer noch sich selbst.
Und auch das ist kein Wunder.
Denn die Welt, in der sie nun gleiche Rechte haben, ist eine Welt, die über Jahrtausende von Männern für Männer gemacht worden ist, die jeden Tag gleich funktionieren können, weil sie gefügige Frauen zu Hause haben, die ihnen all die Care-Arbeit abnehmen.
Also, die große Frage, die mich seit jeher bewegt, ist folgende:
Wer bin ich, wenn ich mich nicht mehr selbst verliere?
Und wie geht ein tragfähiges Leben ohne Selbstverlust?
Ich forsche an diesem Thema nun schon mein ganzes Leben.
Ich habe mich selbst so oft verloren und so oft wiedergefunden.
Und eines weiß ich ganz sicher:
Mein Körper bringt mich jedes Mal zurück zu mir.
Kein philosophisches Konzept.
Kein Guru.
Keine Methode.
Keine Lehre.
Keine Partei.
Kein Mann.
Kann das für mich tun.
Nur mein Körper.
Mein Körper ist mein Anker.
Meine Basis.
Mein Fundament.
Mein Seismograf für Wahrheit.
Er kennt meine Grenzen.
Meine Bedürfnisse.
Mein Nein.
Mein Ja.
Wann und unter welchen Bedingungen meine Kraft frei fließt und wann sie blockiert ist.
Mein Körper spürt sehr genau, wer es gut mit mir meint und wer nicht.
Mein Körper ist der Zugang zu mir.
Zu der, die ich bin, wenn ich ich selbst bin.
Ich glaube, viele Frauen unterschätzen, wie bedeutsam ihre Erschöpfung eigentlich ist.
Sie ist nicht nur ein individuelles „Problem“.
Sie ist Ausdruck der Geschichte als Frau, die davon erzählt, wie dieses einst schöne, wilde, unzähmbare Wesen sich selbst verloren hat.
Und sie ruft danach, sie wiederzufinden.
Sich selbst.
Dich.
Deine Kraft.
Deine Energie.
Deine so wunderschöne, freie, lebendige Lebensenergie.
Ja, das Thema ist strukturell.
Und dennoch sage ich:
Wir müssen bei uns selbst anfangen.
Finde dich selbst wieder, liebe Frau, und du findest deine Kraft, deine Energie.
Du findest sie nicht darin, dich weiter immer mehr zu optimieren.
Du findest sie genau dort, wo deine Erschöpfung, deine Einsamkeit, deine Verzweiflung am lautesten rufen.
Denn hier ruft dein Körper dich nach Hause.
Körperarbeit ist ein Weg, der dir zum ersten Mal zeigt, wo du dich selbst immer wieder verlierst und wo du dich auch wiederfinden kannst.

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